Witikon als Stadtquartier

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Witikon liegt auf einem Hochplateau am Adlisberg, ungefähr 200 m über dem Wasserspiegel des Zürichsees, am Passübergang von Zürich-Hirslanden nach Fällanden am Greifensee. Umgeben und abgegrenzt von tief eingeschnittenen Tobeln und dichten Wäldern, wirkt es wie eine natürliche Bastei an der Südostflanke der Stadt Zürich. Als Hof des Alemannen Wito im 7. Jahrhundert erstmals besiedelt, ist es seit 946 urkundlich erwähnt. Die erhaltene Urkunde regelt einen Zehntenstreit zwischen der Kirche St. Peter und dem Stift St. Felix und Regula (Grossmünster) zugunsten des letzteren. Von der Mitte des 13. Jahrhunderts bis zum Ende des 14. Jahrhunderts ist ein Geschlecht "von Witikon" bekannt. Sein Turm dürfte südlich der Passstrasse am Oetlisberg gestanden haben, doch sind keine Ueberreste bekannt. Das Witiker Wappen in seiner heutigen Form erschien erstmals 1493 im Wappenbuch Gerold Edlisbachs. Es stellt ein sogenanntes "verkehrtes Wappen" dar; auf rotem Grund ein silbernes Beschläg.


An dieser Stelle sei die 1. Schlacht von Zürich (4.-6. Juni 1799) erinnert, als die Österreicher unter Erzherzog Karl die französischen Besatzungstruppen aus Zürich und aus dem Raum Ostschweiz vertrieben. In der Folge wurde das Régime der Helvetischen Republik in Zürich gestürzt und durch ein alteingesessenes zürcherisches ersetzt. Der Kirchenhügel von Witikon war damals eine Artilleriestellung. Nach dem spektakulären Sieg wurde die österreichische Armee in süddeutsches Gebiet abgezogen und durch eine russische Armee unter General Korsakow ersetzt, denn im Kampf gegen Frankreich waren Österreich und Russland Verbündete. Ueberraschend griffen die Franzosen unter General Masséna die Russen unter Korsakow in Zürich an und vertrieben sie in der 2. Schlacht von Zürich (26.-27. September 1799) bis über den Rhein endgültig aus zürcherischem Gebiet. Der Fluchtweg der Russen führte über Witikon hinunter ins Glatttal, so dass das Dörfchen Witikon Schauplatz von Rückzugsgefechten wurde.
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1270 wurde das Kirchlein Witikon als Filialkapelle des Grossmünsters erstmals erwähnt. Da die Messe in Witikon nur von Zeit zu Zeit gelesen wurde, mussten die Witiker für den sonntäglichen Gottesdienst zum Grossmünster pilgern. Mit der Reformation erhielt Witikon erstmals einen eigenen Pfarrer, der jedoch in der Stadt wohnte. Der erste Witiker Pfarrer, Wilhelm Röubli, stammte aus Rottenburg am Neckar. Er sorgte für eine Sensation in der ganzen Eidgenossenschaft, als er sich, nachdem die Reformation das Zölibat abgeschafft hatte, als erster Geistlicher verehelichte. Er liess sich 28. April 1523 im Kirchlein Witikon mit Adelheid Leemann aus Hirslanden trauen. 1798 wurde Witikon - nach dem Einmarsch der Franzosen und nach dem Untergang des Ancien Régime - eine selbständige Gemeinde. Das "Proticol der Gemeind Wytikon A. 1799" erwähnt als Gemeindepräsidenten den "Bürger President Hs. Rud. Weber". In den Jahren 1873 bis 1925 verkehrte auf der Passstrasse hinunter nach Maur die legendäre Pferdepost (Zürich-Witikon-Maur). Witikons Bevölkerung wuchs in den Jahren 1799 bis 1934 von 261 auf 787 Personen.